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Entkoffeinierter Kaffee: Eine gesunde Alternative?

Kaffeetasse vor Sonnenuntergang

Was ist entkoffeinierter Kaffee?

Entkoffeinierter Kaffee ist Kaffee, dem vor der Röstung das Koffein entzogen wurde. Allerdings dürfen dennoch bis zu 0,1 Prozent Koffein im Getränk enthalten sein. Der Deutsche Kaffeeverband veröffentlichte dazu folgende Durchschnittswerte, die je nach Zubereitungsart variieren:

  • Kaffee entkoffeiniert (150 ml) 3mg
  • Espresso (50 ml) 50-150 mg
  • Instant-Kaffee (150 ml) 15-90 mg
  • Schwarzer Tee (150 ml) 20-60 mg
  • Kakao (150 ml) 2-8 mg
  • Vollmilchschokolade (100 g) ca. 20 mg
  • Halbbitterschokolade (100 g) ca. 75 mg
  • Cola (330 ml) 32-60 mg
  • Energy Drinks (250 ml) ca. 80 mg

Mehr Angaben zum Koffeingehalt verschiedener Kaffeespezialitäten findest du auf unserem Koffein-Strahl.

Übrigens: Der entkoffeinierte Kaffee wurde 1906 vom Bremer Ludwig Roselius erfunden, nachdem sein Vater zuvor aufgrund des hohen Koffeinkonsums starb. Im selben Jahr gründete er auch die Kaffee-Handels-Aktiengesellschaft (Kaffee HAG), das erste Unternehmen weltweit, das koffeinfreien Kaffee herstellt.

Warum sollte man entkoffeinierten Kaffee trinken?

Entkoffeinierter Kaffee eignet sich vor allem für alle, die auf Koffein verzichten möchten, aber nicht auf den Kaffeegeschmack. Aufgrund des niedrigen Koffeingehalts bleibt die aufputschende Wirkung aus. Dadurch lässt er sich auch noch abends trinken, ohne später Schlafprobleme haben zu müssen.

Der entkoffeinierte Kaffee kann auch helfen den körperlichen Beschwerden, die der hohe Konsum des Koffeins auslöst, entgegenzuwirken. Hierzu zählen zum Beispiel Zittern, Schweißausbrüche, Herzrasen und Magenprobleme.

Übrigens: Die Wirkung des Koffeins tritt erst 30 Minuten nach dem Verzehr ein.

Zu viel Koffein ist für den menschlichen Organismus schädlich. Ab einer Dosis von einem Gramm spricht man bereits von einer Überdosis. Allerdings müsste man hierfür 15-20 Tassen Kaffee trinken, um diesen Wert zu erreichen.

Frauen in der Schwangerschaft und in der Stillzeit wird empfohlen auf Koffein zu verzichten.

Entkoffeinierter Kaffee in der Schwangerschaft

In der Schwangerschaft sollten Frauen nicht mehr als 200 mg Koffein am Tag zu sich nehmen. Das Koffein gelangt nämlich über die Plazenta zum Fötus, der das Koffein ebenfalls aufnehmen kann. Wie sich das Koffein auf das Baby auswirkt, ist bisher noch nicht ausreichend erforscht.

Es ist jedoch bekannt, dass der Fötus nicht die nötigen Enzyme besitzt, um das Koffein abzubauen. Stillenden Müttern wird deshalb geraten nicht zu viel Koffein zu sich zu nehmen, da das Kind sonst unruhig wird, Bauchschmerzen bekommt und schlechter schläft.

Eine Frau mit einer Tasse entkoffeinierter Kaffee in der Hand
Frauen sollten in der Schwangerschaft und beim Stillen auf ihren Koffeinkonsum achten

Ist entkoffeinierter Kaffee gesund oder schädlich?

Wer nach dem Kaffeekonsum unter körperlichen Beschwerden leidet und deshalb auf Kaffee verzichten möchte, sollte sich dessen bewusst sein, dass diese nicht nur vom Koffein verursacht werden. Vor allem bei Industrieröstungen sind es die Säuren und Bitterstoffe, die dem Körper schaden, da diese nicht vollständig abgebaut werden.

Übrigens: Koffein ist auch in Kakao und Schokolade enthalten. Falls die Beschwerden tatsächlich im Zusammenhang mit dem Koffein stehen, würden sich diese auch beim Verzehr von anderen koffeinhaltigen Lebensmitteln bemerkbar machen.

Wer auf entkoffeinierten Kaffee umsteigt, sollte bevorzugt Bio-Kaffees wählen, da hierbei keine chemischen und gesundheitsgefährdende Lösungsmittel verwendet werden.

Entkoffeinierter Kaffee hat den Vorteil, dass der Blutdruck nicht beeinflusst wird, wobei der Einfluss des Koffeins auch vom Konsum abhängig ist. Menschen, die regelmäßig Kaffee trinken, haben dieses Problem zum Beispiel nicht.

Allerdings sind im entkoffeinierten Kaffee durch die Röstung ebenfalls Acrylamide enthalten, die als gesundheitsschädlich gelten.

Tipp: Wer nicht auf das Koffein verzichten möchte, kann auch erstmal andere Bohnen wählen. Arabica Bohnen sind verträglicher, da sie von Natur aus weniger Koffein enthalten.

Kaffee werden aber auch positive Auswirkungen zugeschrieben. So leiden Kaffeetrinker beispielsweise auch seltener an Herz-Kreiskauf-Erkrankungen, Leberzirrhosen oder Typ-2-Diabetes. Das hängt aber weniger mit dem Koffein zusammen, sondern mit den im Kaffee enthaltenen Antioxidantien.

Wie wird entkoffeinierter Kaffee hergestellt?

Um aus den Rohkaffeebohnen entkoffeinierten Kaffee herzustellen, gibt es 5 verschiedene Verfahren, die noch vor der Röstung angewandt werden. Wir stellen dir die Vor- und Nachteile vor, denn nicht jedes Verfahren ist empfehlenswert. Am Ende sagen wir dir, welche zwei Verfahren wir empfehlen würden.

Rohe Kaffeebohnen
Vor der Röstung wird den Bohnen das Koffein entzogen

Direktes Verfahren

Beim direkten Verfahren werden die Rohkaffeebohnen 30 Minuten lang unter Wasserdampf eingeweicht und anschließend für 10 Stunden in ein Lösungsmittel aus Ethylacetat oder Dichlormethan gegeben. Nach Ablauf der Zeit wird das Lösungsmittel komplett entfernt.

Allerdings steht Dichlormethan unter Verdacht krebserregend zu sein. Mit Ethylacetat behandelte Bohnen hingegen dürfen sogar als „natürlich entkoffeinierter Kaffee“ bezeichnet werden, da es sich um ein natürliches Lösungsmittel handelt, das aus Obst und Gemüse gewonnen werden kann.

Indirektes Verfahren

Beim indirekten Verfahren kocht man die Bohnen mit heißem Wasser, wodurch sich die wasserlöslichen Inhaltsstoffe lösen. Die Lösung wird dann mit Ethylacetat versetzt, das den Bohnen das Koffein entzieht.

Daraufhin wird das koffeinfreie Gemisch mit neuen Bohnen vermischt und erneut aufgekocht. Durch ein Lösungsgleichgewicht wird den neuen Bohnen dann nur das Koffein entzogen.

Schweizer-Wasser-Prozess-Verfahren

Das Schweizer-Wasser-Prozess-Verfahren funktioniert wie das indirekte Verfahren. Der einzige Unterschied ist der Einsatz von Aktivkohle statt des Ethylacetats. Allerdings wird bei diesem Verfahren mehr Wasser verbraucht.

Ein dampfender Topf auf dem Herd
Die meisten Verfahren nutzen Wasserdampf, um den Bohnen das Koffein zu entziehen

Kohlenstoffdioxid-Verfahren

Beim Kohlenstoffdioxid-Verfahren werden die Kaffeebohnen nach der Wasserdampfbehandlung mit CO2 in flüssiger Form besprüht. Dadurch wird das Koffein aus den Bohnen herausgelöst.

Lässt man nun das Kohlenstoffdioxid verdampfen, bleibt das reine Koffein übrig, wodurch sich das CO2 aufbereiten und wiederverwenden lässt. Es ist ein schonendes Verfahren und das Aroma bleibt am besten erhalten.

Triglycerid-Verfahren

Beim Triglycerid-Verfahren kommen die Rohkaffeebohnen in eine Kaffee-Wasser-Lösung. Die Lösung lässt daraufhin das Koffein an die Oberfläche der Bohne wandern. Anschließend werden die Bohnen mit Kaffeeölen, die Triglyceride enthalten, behandelt und das Koffein aus der Bohne gezogen.

Wie schmeckt entkoffeinierter Kaffee?

Entkoffeinierter Kaffee schmeckt in der Regel wie normaler Kaffee. Dennoch kann der Geschmack je nach Entkoffeinierungsverfahren variieren, da sich neben dem Koffein auch andere Bestandteile aus der Bohne lösen können.

Unsere 4 Lieblings-Decafs

Wir haben verschiedene koffeinfreie Kaffees getestet und stellen dir hier unsere 4 Lieblinge vor:

1. Decaf Swiss Water Process | Mocca Brasil

Für den Decaf Swiss Water Process wird ein chemikalienfreier Prozess angewendet, um den Bohnen das Koffein zu entziehen. Durch die sanfte Behandlungsmethode werden die Kaffeebohnen geschont und bleiben so voller Aroma.

Wir behaupten, dass man den Decaf Swiss Water Process einfach probieren muss.

2. Decaf Espresso | Berliner Kaffeerösterei

Der Decaf Espresso aus erlesenen Arabica Bohnen vereint kräftige und vollmundige Komponenten in einer dunklen Röstung. Er zeigt ein süßliches Geschmacksprofil auf und kombiniert verschiedene Aromen (Kakao, Toast, Gewürze, Tee) miteinander.

Wir behaupten, dass man den Decaf Espresso nicht von einem typischen Espresso unterscheiden kann.

3. Earlybird Entkoffeiniert

Der Earlybird Entkoffeiniert vereint ein kräftiges peruanisches Aroma und feiner Säure mit mexikanischer würziger Ausgewogenheit. Dadurch ist der Geschmack komplett und ausgewogen. Die Bohnen kommen zu jeweils 50% aus den beiden Ländern.

Wir behaupten, dass der Geschmack nicht mit normalem Bohnenkaffee mithalten kann.

4. No Espresso

Für den No Espresso werden säurearme und aromatische Kaffeebohnen verwendet, wodurch er eine milde Stärke hat und ein fein-würziges, harmonisches Geschmacksprofil aufweist. Die 100% Arabica Bohnen werden traditionell im Trommelröster bis zu einem mittleren Röstgrad handgeröstet.

Wir behaupten, dass der No Espresso total unterschätzt wird.

Gibt es natürlich entkoffeinierten Kaffee?

Im Jahr 2004 haben Wissenschaftler eine Pflanze entdeckt, die von Natur aus entkoffeiniert sein soll. Seitdem wird versucht durch Kreuzungen eine Kaffeepflanze zu züchten, die koffeinfreie Früchte trägt.

Der Versuch scheint sogar erfolgreich zu sein. Jedoch ist der Ertrag noch nicht ausreichend, um in Zukunft natürlich produzierten entkoffeinierten Kaffee im Handel erwerben zu können.

Kaffeekirschen am Strauch
Die meisten Pflanzen enthalten von Natur aus Koffein

Fazit – Die richtige Wahl macht’s aus!

Wer die Nebenwirkungen vom zu hohen Koffeinkonsum zu spüren bekommt, sollte es einmal mit der koffeinfreien Variante versuchen. Allerdings sollte man hierbei auf das richtige Entkoffeinierungsverfahren (wir empfehlen: Schweizer-Wasser-Prozess-Verfahren oder Kohlenstoffdioxid-Verfahren) achten, um dem Körper nicht zusätzlich zu schaden.

Entkoffeinierter Kaffee hat aber dennoch die selben positiven Eigenschaften wie normaler Kaffee. Also, wieso tust du deinem Körper nicht mal etwas Gutes und steigst auf die koffeinfreie Variante um?

Falls du dich näher über das Thema Koffein informieren möchtest, kannst du dir dazu unseren Artikel „Koffein: Die ganze Wahrheit über den unsichtbaren Helfer“ anschauen.

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